Programm 2023-01-22T11:04:20+00:00

Programm

40 + 3 Jahre Jazzklub Altenburg

Sa. 11.03.2023 // 19.30 Uhr // Joe Sachse & Nils Wogram // Quellenhof Garbisdorf

Wie kommt es, dass das alles selbstverständlich, so freundlich, freudig und mitreißend wirkt… Wohl so nur, weil sich hier zwei Wahlverwandte getroffen haben. Zwei Musiker, aufgewachsen in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Umgebungen, zwei grundverschiedene Charaktere, und doch zwei, die sich intuitiv verstehen, die sich gegenseitig bewundern und die mit einer Lockerheit zusammen spielen, als wären das die natürlichste Sache der Welt. Helmut „Joe“ Sachse, fast ein Vierteljahrhundert älter als Nils Wogram, ist in der DDR groß geworden und musste sich seinen Weg zum Jazz gegen alle Widerstände selbst bahnen – von der Tanz- und der Rockmusik zum freien Spiel und weiter zu einer unverwechselbaren Sprache auf dem Instrument. Nils Wogram ist in eine etablierte Jazzszene hineingewachsen und hat sich sowohl als Instrumentalist als auch mit einer ganzen Reihe langfristig miteinander arbeitender Bands eigenständig profiliert. Joe fasziniert an Nils die Versalität: „Er kann alles spielen.“ Und Nils schwärmt von Joe Sachses autarker Musikalität: „ein ganz seltenes, kostbares Gut“.

Begegnet sind sich die beiden erstmals vor vielen Jahren beim Jazzfestival im italienischen Clusone. Nils Wogram spielte dort im Duo mit dem Pianisten Simon Nabatov, während Joe im Duo mit seinem Gitarrenkollegen Uwe Kropinski auftrat. Damals war die Sympathie auf beiden Seiten schon da, doch damit sich der Funke entzünden konnte, bedurfte es eines Anlasses. Dieser ergab sich, als Thomas Brückner, Veranstalter der Reihe Campus Jazz im Leipziger Mediencampus Villa Ida, Joe Sachse 2012 eine Carte Blanche für ein Konzert gab und dieser sich eine Begegnung mit Nils Wogram wünschte. Das Duo der beiden, zunächst überwiegend frei, startete fulminant, wurde mitgeschnitten und auch auf einer CD „Free and Tremendous“ (Jazzwerkstatt) veröffentlicht. Seither haben Nils und Joe immer wieder zusammengefunden und Konzerte gegeben.

Schließlich entstand der Wunsch, gemeinsam ins Studio zu gehen und auch Stücke aufzunehmen, was dann im November 2021 in Bremen gelang. Drei Tage insgesamt hatten die beiden Zeit, um in entspannter Atmosphäre an der Musik und am Sound zu feilen und an zwei Tagen aufzunehmen. Das legendäre Studio Nord in Bremen, wo die Musiker auch wohnen konnten, bot dafür den passenden Rahmen. Beide hatten überwiegend für diesen Anlass und schon mit der Besonderheit des Duos im Hinterkopf geschriebene Stücke mitgebracht. Realisiert freilich hat sich eine Musik, die vom Papier abhebt und in enger Verflechtung von Komponiertem und spontanem Spiel ihren eigenen Weg findet.

Präzision und Freiheit in furiosem Miteinander. So etwas gelingt nur, weil beide so viel in ihr Spiel investiert haben, dass sie die raffiniertesten Dinge mühelos bewältigen können. Beide – Nils Wogram und Helmut „Joe“ Sachse – sagen übereinstimmend, dass sie sich im Fluss dieses Duospiels wohl fühlen. Das merkt man an der Wärme des Klanges, an der Leichtigkeit, mit der sie zueinander finden, in den Entsprechungen – sei es in rasanten Unisoni, im Mit- und Gegeneinander melodischer Linien, im souveränen Gang durch die Akkorde und im Parcours über vertrackte Rhythmen. Letztlich wirkt alles ganz einfach, unangestrengt, intellektuelle Erwägungen hinter sich lassend, im besten Sinne spielfreudig, einander und den Zuhörenden zugeneigt.

Besetzung:

Helmut „Joe“ Sachse – Gitarre

Nils Wogram – Posaune

Homepage vom Nils Wogram

Homepage vom Joe Sachse

Joe Sachse und Nils Wogram bei Youtube

„Freies Geröll“ bei Bandcamp

Fr. 14.04.2023 // 20 Uhr // Melt Trio // Haus am Milchberg Kriebitzsch

Das ausgeprägte Klangbewusstsein der drei Musiker vom Melt Trio hat Geschichte. In den vergangenen Jahren haben sie, zumal in anderen Konstellationen, ihre persönlichen musikalischen Handschriften immer feiner ausgearbeitet. Bernhard Meyer zupft als einer der wenigen seines Fachs einen Halbresonanz-Bass, spielt darauf zuweilen eine Doppelrolle als grundierender Bassist und Rhythmusgitarrist und bereitet den Boden für weitläufige Improvisationen. Sein Gravitationsfeld hält das Geschehen jederzeit zusammen. Peter Meyer transferiert zuweilen die Ästhetik akustischer Pickings auf die E-Gitarre, kreiert individuelle harmonische Wendungen, changiert zwischen kluger Komplexität und emotionaler Tiefe. Beide Meyers wissen pointiert mit Effektgeräten und Loopern umzugehen, vereinen elegant das warme Timbre von Holz und gezielt eingesetzte Digitaltechnik. Moritz Baumgärtner hat als Drummer einen singulären, unmittelbar identifizierbaren Ausdruck entwickelt. Sein Spiel zeichnet sich durch klangliche Qualität, ungewöhnliche Materialeinsätze (diverses Blech, Metall, Megaphon u.v.m.) und Energieschübe aus, die mit der verschwenderischen Kraft einer Vulkaneruption losbrechen können. Es ist sicher nicht vermessen zu behaupten, dass derzeit keine deutsche Band so klingt wie das Melt Trio. Die Souveränität, mit der Meyer, Meyer und Baumgärtner zwischen klaren Konturen und sich öffnenden Formen, wunderbarem Melodie- und Klangreichtum, interessanten Harmonien und rhythmischen Finessen changieren, setzt einen Wegweiser in die europäische Musiklandschaft.

Besetzung:

Peter Meyer – Gitarre

Bernhard Meyer – Bass

Moritz Baumgärtner – Schlagzeug

Homepage vom Melt Trio

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Do. 20.04.2023 // 20 Uhr // Film „Unter Brüdern“ // Paul-Gustavus-Haus Altenburg

Rock- und Popmusik aus den osteuropäischen „Bruderländern“ spielte in der DDR eine große Rolle. Der staatliche Rundfunk und das Schallplattenlabel Amiga produzierten deutsche Versionen der Hits des Ostblocks, und auch auf den Konzertbühnen konnte man die Stars von nebenan häufig erleben. Besonders beliebt waren Gäste aus Ungarn und Polen. Sie wirkten weltoffen, besaßen aufgrund liberalerer Verhältnisse größere Freiheiten und Erfahrungen als ihre Kollegen aus der DDR. Ursprünglich als politische Strategie zur Abgrenzung vom Westen erdacht, löste die Zusammenarbeit nachhaltige kulturelle Effekte aus. Sie brachte neue Farben und Klänge in den Alltag der DDR, es entstanden Netzwerke, Freundschaften wuchsen. Die ungarische Sängerin Zsuzsa Koncz begeisterte über Jahrzehnte hinweg ein ostdeutsches Publikum. Sie war vor allem als Pop- und Schlagerinterpretin beliebt. In den sechziger Jahren arbeitete sie mit Omega zusammen. Die Band avancierte zur populärsten Rockgruppe des Ostens. Frontmann János Kóbor berichtet im Film über die Kontakte zur DDR und die Erfolge im Westen. Czesław Niemen war der größte polnische Rockstar. Auch in Ostdeutschland fand seine Musik viele Fans. Der Keyboarder Józef Skrzek erinnert sich an ihn als einen außergewöhnlichen Künstler. Nach jahrelanger Zusammenarbeit mit Niemen startete Skrzek mit seiner eigenen Band SBB eine internationale Karriere. Sie tourte mehrfach durch die DDR und produzierte für den Rundfunk und Amiga. Der russische Sänger Arthur Berkut war mit seiner Band Autograph im ostdeutschen Fernsehen zu erleben. 1985 trat er bei Live Aid auf, einem der spektakulärsten Konzerte der Rockgeschichte. Berkut beschreibt die Kraft der Musik unter schwierigen politischen Verhältnissen und vergleicht die Resonanz in Ost und West. Dieter Birr, Chef der Puhdys, erzählt vom umgekehrten Weg: den Tourneen einer DDR-Band durch die Bruderländer. Der Film fängt ein letztes Wiedersehen mit seinem Freund János Kóbor ein. Claudia Perez, Redakteurin und Produzentin beim Rundfunk der DDR, und Anna Idzikowska-Czubaj, Geschichtsprofessorin an der Universität Poznań, kommentieren den Blick auf eine Zeit, die zwar ergangen ist, aber trotzdem nachwirkt.

Foto: © Herbert Schulze

Homepage von Tom Franke / Armadafilm

Mi. 17.05.2023 // 20 Uhr // Circus Electric // Weindepot Priem Altenburg

Mit großer Leidenschaft für ihr Handwerk vereinigen diese drei jungen Männer die elektrisierende Energie des Rock’n‘Roll mit den heilenden Qualitäten des Soul und Blues. Ihre Wurzeln reichen tief hinab in Amerikas musikalische Schatzkiste, während ihr Spross am Ast der Gegenwart zusammen mit Bands wie Rival Sons und Royal Blood im Winde schwingt. Der Puls der Band ist ihre innige Verbindung, welche über ein Jahrzehnt zurückgeht. 2019 gründeten Oskar Pursche, Leo Vaessen und Adrian Dehn Circus Electric, ein High Power Trio, bei dem die hörenswerte Unterhaltung auf ihren Instrumenten im Vordergrund steht. „Wir haben nicht an der Hochschule studiert. Wir sind Learning-By-Doing-Typen.“ – sagt Adrian, Sänger und Gitarrist der Band, der auch schon zusammen mit den Blues-Legenden von East Blues Experience im Weindepot zu Gast war. Der spezielle Circus Electric Sound kommt aus dem Studio des Schlagzeugers, wo die Band ihre Aufnahmen macht. Nach vielen, sagen wir mal „interessanten“ Erfahrungen im Musikgeschäft wurde ihnen bewusst, dass die Zukunft in ihren eigenen Händen liegt. Mit ihrem Low-End-Friend Oskar am Bass scheinen die Sterne nun richtig zu stehen, um das Maximum aus sich rauszuholen. Man spürt die Begeisterung und Liebe zur Musik in jeder Note, die aus dieser Klangstrahlen-Kanone namens Circus Electric geschossen wird.

Besetzung:

Adrian Dehn – Gitarre

Oskar Pursche – Bass

Leonard Vaessen – Schlagzeug

Homepage von Circus Electric

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