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Pascal von Wroblewsky in der Brüderkirche

Im Prinzip ist sie den Altenburgern über lange Jahre hinweg schon eine gute Vertraute. Und so knüpfte sie an vergangene Zeiten an und entführte in dem reichlich zweistündigen Konzert ihre Jazzfreunde zuerst in die guten alten 70er Jahre des traditionellen Jazz und der Rockstandards, wie es im Untertitel des Konzertes vermerkt war.
Demzufolge war es zunächst eine musikalische Reise zu den Jazzgrößen dieser Epoche, wie Duke Ellington. Und ich erinnerte mich gleich bei ihrem ersten Titel an die gleichen 70er, da ich selbst mit Hannes Zerbe und seinem Trio an der Orgel gejazzt habe. Und das war jene Zeit, als Eta Cameron mit Zerbe durch die DDR tourte. Sicherlich gibt es da Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche stilistische Unterschiede, denn Pascal von Wroblewsy orientiert sich andererseits an Titeln von Deep Purple oder Eric Clapton. Und da ist sie absolut neuen Jazzstandards auf der Spur.
Die wunderbare Stimmung in der abgedunkelten, in blaugrün und auch etwas in rot getauchten Brüderkirche weckte halt Erinnerungen, und das bei der ausdrucksstarken und in vielen Farben schillernden Stimme von Pascal von Wroblewsky. Sie ist, selbst in den Momenten, in denen sie ihrer Band die musikalische Stimmführung überläßt, stets der Motor des Geschehens, sei es mit Mimik, mit klatschend animierenden und rhythmisierten, aber nie übertriebenen Bewegungen.

Sie koketiert mit Peter Michailow am Schlagzeug, sie treibt den Bassisten Pepe Berns im pulsierenden Rhythmus vor sich her und animiert den Gitarristen Jürgen Heckel zu den schönsten Kreationen und improvisatorischen Einlagen. Und wenn sie dann am Mikrofon wieder das Geschehen selbst in die Hand nimmt, dann ist man fasziniert von ihrer voluminösen, brillanten, aber oft auch schmerzlich verhaucht dahingleitenden Stimme. Da kann der Abstand zum Mikro nur wenige Zentimeter und einen halben Meter und mehr betragen. Nie ist ihre Stimme unangenehm forciert oder gar brutal.

Oft gerät sie ins Improvisieren mit Vokalisen und artikulierten Vokalen und Kosonanten. Und da wußte man oft nicht, wer ist eigentlich virtuoser, der instrumentale oder der vokale Part. Hinzu kommt ihre feinsinnige musikalische Austrahlung, sei es bei "I'am not in love" oder einem sentimental Blues frei nach Ellington. Bei ihrem finalen Titel, einer fast melancholisch und verträumt dahinfließenden Musik, mußte ich unwillkürlich an jenen oft gespielten Canon von Johann Pachelbel denken, einem populären Titel aus der Klassik noch weit vor Johann Sebastian Bach. Und doch ist dieses Stück in seiner harmonischen und melodischen Gestaltung ganz dicht dran am Jazzstil mit Pascal von Wroblewsky. Das spricht für beide, für Pachelbel und für die Wroblewsky.

Was gibt es noch von diesem Konzert zu berichten? Ach ja, die hervorragenden Mitglieder ihrer Band, die allezeit sich bestens die Bälle zuspielten und in der musikalischen Zwiesprache mit der Wroblewsky nichts schuldig blieben. Da stört selbst dann und wann eine nicht ganz perfekt gestimmte Gitarre nicht. Das gehörte zum guten Ton dieses Konzertes. Viel enthusiastischer Beifall am Schluß, natürlich vor allem für Pascal von Wroblewsy, aber auch für den überragenden Jürgen Heckel und nicht minder für Pepe Berns und den Drummer Peter Michailow.
Leider nur eine Zugabe; zumal es dann schon recht spät geworden war. Aber man hätte schon noch eine Weitere gerne gehört.

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