Jazzklub Altenburg
Home
Programm
Pressearchiv
Photoarchiv
Impressum
Kontaktadresse Jazzklub Altenburg c/o Jörg Neumerkel / Rosenweg 7 / 04600 Altenburg

Jenseits der Folklore

"Tango Transit" spielen im Agnesgarten zum Auftakt des Altenburger Musikfestivals

Altenburg. Das Altenburger Musikfestival 2011 hat seinen Anfang gefunden. Die guten Erfahrungen mit dem vorangestellten Jazzkonzert im letzten Jahr führten nun wieder zur Kooperation mit dem Altenburger Jazzclub. Dieser brachte am Donnerstagabend die Frankfurter Gruppe Tango Transit auf die Bühne des Agnesgartens im Altenburger Schloss und bescherte den Musikfreunden mit Martin Wagner (Akkordeon), Hans Höhn (Kontrabass) und Andreas Neubauer (Schlagzeug) Musiker der Extraklasse.
Wer nach einer Erklärung des Namens der Gruppe sucht, kommt wahrscheinlich auf die richtige Spur, wenn er weg vom ursprünglichen südamerikanischen melancholischen Modetanz und hin an Piazzolla denkt. So wie dieser den Tango weg von der lateinamerikanischen Folklore führte und ihn für den klassischen Konzertsaal hoffähig machte, so führt nun die Gruppe Tango Transit diesen in die Moderne. Sie bereichert die heutige Jazz-Szene mit Kompositionen von Leiter und Akkordeonist Martin Wagner, die mit transparenten Arrangements bestechen und in denen sich expressive Akkordeonklänge mit musikalischen Linien des modernen Jazz von Bass und Schlagzeug vermischen.
Es ist eigentlich ein klassisches Jazztrio, was da auf der Bühne agiert, wobei das Klavier durch das Akkordeon ersetzt ist. Wagner transformiert Empfindungen und Wahrnehmungen aus dem realen Leben ins Musikalische - so in seinem Stück "Ost-Park-Elefanten", nachdem er vier leibhaftige Elefanten auf einem Rasenstück mitten in Frankfurt entdeckte oder in der Komposition "Blut", nachdem er beim sonntagabendlichen Tatort-Erlebnis aus einer schlecht drapierten Leiche Blut fließen sah. Dieses Stück beendete das offizielle Programm und steht als Beispiel für die ganze Musik dieser Drei. Sie geht ins Blut - und das steht hier als Synonym für Energie, die fließt und pulsiert, und "Transit" im Bandnamen für einen Transfer von Expressivität, Dynamik und ekstatische Virtuosität.
Die Kompositionen scheinen aus reiner Improvisation heraus zu entstehen, die den einzelnen Instrumenten genügend Raum für Soli geben. Diese sind Beweise für eine gute Balance zwischen Intuition und Intelligenz, für Souveränität und spielerische Leichtigkeit. Martin Wagner übernimmt mit seinem Akkordeon die Rolle des Frontmanns und bestimmt damit das Tango-Kolorit, das er mit wieselflinken Fingern seinem Instrument entlockt. Da ist nichts mit "Hein spielt abends so schön auf dem Schifferklavier" unseliger Schlagerzeiten. Der Meister aller Tasten und Knöpfe erweitert die Möglichkeiten seines Instrumentes, indem er oft die Melodie auflöst und dann mit Klangflächen und bloßem Rhythmus arbeitet. Das ist beeindruckend, weil geprägt von hoher technischer Meisterschaft, die das Publikum in seinen Bann zieht. Würde er die Tasten horizontal legen und diese auf Klavierbreite erweitern, könnte er sich einen Namen als Pianist machen. Akkordeonisten sind nicht so gefragt wie diese. Warum eigentlich nicht?
Hans Höhn agierte in seinen Soli am Kontrabass mit gleicher beeindruckender Virtuosität. Schier unglaublich sind seine Einbrüche in die Melodie und seine Swing- Rhythmen. Der spontane Beifall des Publikums ist mehr als verdient. Ähnlich stark arbeitet Andreas Neubauer an seinem Schlagwerk. Mal sensibel leise, mal kräftig hart entwickelt er seine Soli nie mit Gewalt oder Druck. Er ist ein zuverlässiger Rhythmiker mit reichem Fundus an spieltechnischen Raffinessen und Tricks. Manchmal blitzt es aus seinen Schlägen melodisch auf. Das ist die hohe Kunst des Spiels. Diese individuelle Virtuosität der drei Musiker führt zu einer einheitlichen Geschlossenheit und vollkommenen Konformität des Musizierens, das sich in allen Stücken zeigt und den besonderen Wert dieses Konzertes ausmacht.
Manfred Hainich

zurück