


Altenburg. Als der Jazzklub im vergangenen Jahr in Sachen Jazzfasching einen Neustart nach 17-jähriger Unterbrechung wagte, war dies ein Experiment, bei dem niemand wusste, ob es gelingt. Aber es gelang vorzüglich: Im Weindepot von Alex Priem stieg eine etwas andere, aber sehr gut besuchte Faschingssause. "Da war schnell klar, dass wir die Tradition weiterführen", meinte Jazzklub-Chef Jörg Neumerkel.
Am Samstag nun stieg die zweite Neuauflage des Klassikers. Und der war genauso schräg wie die Premiere. Rund 150 Besucher waren gekommen und genossen sichtlich dieses besondere Ambiente der Baracke. "Saturday Night Fever" war der Abend überschrieben. Aber die Zeitreise führte tatsächlich in die 70er- und 80er-Jahre, in denen Disko so richtig "in" war. Zumindest kostümtechnisch hatten etliche Besucher darauf eingestellt: Auffallend viele extrem heftig Schwarzbelockte im bunten Outfit waren da zu sehen.
"Eben wie Angela Davis oder Bobby Farrell, dem einstigen Tänzer von Boney M.", bestätigte Jörg Neumerkel mit einem Schmunzeln. Klar: Auch der Jazzklub-Chef kam mit dichter schwarzer Mähne und gut sonnenbebrillt daher. "Unter der Perücke ist es zwar sauwarm. Aber wenigstens hat man mal wieder die Gelegenheit, so richtig mit den Haaren zu schütteln. Das ist ja sonst in unserem Alter nicht mehr so ohne weiteres möglich", meinte Neumerkel bei bester Laune. Und die Sonnenbrille verberge auch gut, wen man gerade ins Auge fasse, merkte er an. Dass sich unter die zumeist an Jahren schon etwas gestandeneren Feiernden auch ein Huhn oder ein Sträfling verirrten, wurde gnädig übersehen. Denn eigentlich waren alle Jazzfaschingsfeter ja auf einer Wellenlänge: Sie wollen eben den etwas anderen Fasching ohne Funkengarden, Büttenreden oder laut krachendem Tusch. Und eigentlich wollen sie auch keine hämmernde Disko, wie sie vor allem die Jugend anzieht.
Denn ohne richtig gute Livemusik geht es beim Jazzklub natürlich überhaupt nicht: Mit der Micha-Winkler-Band aus Dresden hatten die Macher erneut wieder einen goldrichtigen Griff getan. Die Musik ist ein Gemisch aus Eigenkompositionen, die sich sanft ins Ohr bohren können, sowie selbst arrangierten Swing-, Soul- und Latin-Klassikern. Und dies kam auch in Altenburg sichtbar gut an.
Gastgeber Alex Priem und sein Team stellten sich verpflegungstechnisch übrigens auch auf das Motto des Abends ein und servierten auch die Klassiker aus den 70ern und 80ern: Würzfleisch, Klops oder die "Schichtbemmen von der Arbeit" standen beispielsweise auf der Karte. Jörg Wolf
Quelle: E-Paper-Ausgabe der Leipziger Volkszeitung vom 08.03.2011/Foto: Jens Paul Taubert

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