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Kontaktadresse Jazzklub Altenburg c/o Jörg Neumerkel / Rosenweg 7 / 04600 Altenburg

Renaissance mit tschechischer Krone

Nach 17-jähriger Unterbrechung wurde am Sonnabend der etwas andere Jazz-Fasching wiederbelebt

Altenburg. Ihre Auszeichnungen aufzuzählen, käme Uhus nach Prag zu tragen gleich. Das zumindest behauptet Jindrich Staidel, Frontmann der gleichnamigen Combo, auf seiner Homepage. Wie das gemeint ist? Positiv natürlich. Am Sonnabend jedenfalls schlug jene Jindrich Staidel Combo mitsamt ihres abgefahrenen Programms im Weindepot von Alex Priem auf. Dort warteten zahlreiche Neugierige auf eine Wiedergeburt der besonderen Art: Die Auferstehung des legendären Jazz-Faschings, dessen zuvor letzte Auflage 1993 im Gasthof Kosma zu erleben war. „Danach war die einst beliebte Veranstaltung eingeschlafen. Aber immer wieder haben Leute danach gefragt“, erzählt Jörg Neumerkel, Chef des Jazzclubs Altenburg, der eingeladen hatte.
Und alles fügte sich für dieses Wiederaufleben prächtig. Das ein wenig verschlissene und bunt zusammengewürfelte Ambiente des Weindepots in einer alten Baracke, Jindrich Staidel und seine Musiker und das schon ein wenig reifere und teilweise kostümierte Publikum bildeten eine Symbiose zu einem schräg-schönen Gesamtbild.
„Ein wenig ist das hier ja auch ein Anti-Fasching“, schmunzelt der Hausherr Alex Priem mit Blick auf seine gut gefüllte Location. „Zwar freuen wir uns über jeden, der sich kostümiert, aber alle anderen Bräuche wie Büttenreden, Männerballett oder Gardetänze gibt es bei uns ausdrücklich nicht.“
Um ein Motto kamen Priem, Neumerkel & Co. allerdings nicht herum. Und das wurde kurzerhand durch Jindrich Staidels Repertoire vorgegeben, obwohl die Combo eigentlich aus Dresden kommt: Tschechien. Alles drehte sich um das südöstliche Nachbarland, in dem diese herrliche Musik von Staidels Truppe seine Wiege haben soll.
Über die Leinwand flimmerten die alten Streiche vom Soldaten Schwejk, auf den Tellern landeten leckere Knödel mit Gulasch und auch tschechischer Gerstensaft konnte geordert werden. Von Tusch und Tamtam wie bei einem gewöhnlichen Fasching war kaum etwas zu spüren. Da blieb Zeit für angenehme Gespräche, während die selbsternannten Meister der Jazzpolka virtuos von einem Genre zum anderen sprangen. Von der gepflegten böhmischen Blasmusik ging’s schnurstracks zum Jazz und wieder zurück. Der urtypische tschechische Witz und Akzent war obendrein zu erleben.
„Wir wollten mit dem besonderen Jazzfasching einen Neustart schaffen, was sichtlich gelungen ist“, freute sich Jörg Neumerkel, der wie viele erst weit nach Mitternacht den Heimweg antrat.

Mit Alexander Priems Depot hätte der Jazzclub auch künftig eine Location für den Fasching. „Ich wäre auf jeden Fall wieder gerne dabei“, versichert Priem. Denn die Stimmung sei einfach zu gut gewesen, um die Sache nur eine Eintagsfliege bleiben zu lassen. Und die Leute lebten sogar das Motto tatkräftig mit. „Da hat einer sogar mit tschechischen Kronen bezahlt“, lacht Priem. Den Umtauschkurs hat Priem sich vorher zwar noch besorgt. Ob er die Scheine auch umgetauscht bekommt, steht in den Sternen. Denn offensichtlich gab’s Kronen aus sozialistischen Zeiten. „Das war uns der Spaß trotzdem wert.“ Jörg Wolf

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