Jazzklub Altenburg
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Kontaktadresse Jazzklub Altenburg c/o Jörg Neumerkel / Rosenweg 7 / 04600 Altenburg

Cristin Claas Trio im Agnesgarten

Das Altenburger Musikfestival 2010 ist eröffnet. Diesmal einen Tag früher als sonst, weil man neben eigenen Jubiläen -- 20 Jahre Musikfestival und 10 Jahre Förderverein desselben -- noch einem anderen Jubiläum Raum im Programm gab: dem 30jährigen Bestehen des Altenburger Jazzklubs. Um es gleich vorab zu sagen: Das muss kein einmaliges Jubiläumsentgegenkommen bleiben, denn wie sich am Donnerstagabend im Agnesgarten des Residenzschlosses zeigte, kann Jazz im weitesten Sinne das schon weitgefächerte musikalische Programm des Musikfestivals komplettieren. Nicht nur das Zuschauerinteresse, sondern auch das besondere musikalische Angebot und die stimmungsvolle Atmosphäre unterm Regendach beweisen dies.
Cristin Claas und Band waren angesagt. Schon vor anderthalb Jahren waren sie Gast des Jazzklubs im Irish Pub und begeisterten damals. Nun sind sie künstlerisch noch reifer geworden und begeisterten das nicht nur aus Jazzprofis bestehende Publikum abermals.
Die in Bernburg geborene und studierte Jazzsängerin Cristin Claas fesselt ihr Publikum sofort. Sie und ihre zwei Musiker beweisen, dass man nicht unbedingt große PA Anlagen, eine Mega-Lichtschau und eine Menge an Spezialeffekten braucht, um das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Es wurde ein Abend der reinen Musik in einer Atmosphäre, die aus einer freundlichen Intimität zwischen Künstlern und Publikum entstand. Die Sängerin legt großen Wert auf Publikumsnähe. Sie singt ihre Begrüßung, ihre Ansagen und wenn sie das Publikum zum Mitsingen animieren will. Das geschieht sehr zurückhaltend und sehr geistvoll, weit entfernt von billiger Anmache. Sie spielt auf angenehme Weise mit dem Publikum, umgarnt und verführt es und schafft so Tiefe und Nähe zu ihr und ihrer Musik. Dies geschieht auch durch ihre kristallklare, kräftige und manchmal sanfte Stimme und durch zwei Instrumente -- kongenial perfekt gespielt auf den Tasten von Christoph Reuter und auf den Saiten von Stephan Bormann. Was in dieser Kombination herauskommt, passt in keine Schublade "Songpoesie" nennen sie selbst ihren Mix aus Pop, Folk und Jazz und bieten ein breites musikalisches Spektrum mit gefühlvollen wunderbaren Texten.
Cristin Claas` Stimme hat ein kräftiges Vibrato und auch eine zarte Leichtigkeit.
Ihr Gesang erinnert manchmal an den melancholischen portugiesischen Fado. Manchmal setzt sie ihre Stimme wie ein Musikinstrument ein. Sie kann ganz leise sein wie ein Hauch und trotzdem voller zurückhaltender Intensität. So schafft sie es, dem altbekannten goethischen "Sah ein Knab ein Röslein stehn" mit neuer Melodie eine bisher nicht gekannte Eindringlichkeit zu geben. In ihren ruhigen gefühlvollen Liedern erinnert sie stark an Annett Lousian. Da zeigt sie keinen Jazz, den bringen die beiden Musiker in ihren Zwischenspielen und in den orchestralen Zugaben, wenn sie der Stimme der Sängerin Schonung geben.
Alle Titel sind Eigenprodukte der Drei, wobei die Sängerin ihre Texte ob in Deutsch, Englisch oder auch in einer Phantasiesprache -- die man nicht sofort als solche erkennt -- selbst schreibt. Das sind schöne Texte, oft sehr poetisch, teilweise lebensbezogen, manchmal pure Phantasie. Sehr vorteilhaft für das Publikum ist ihre klare und deutliche Aussprache für das Verstehen der Texte. In Verbindung mit der entsprechenden Musik ist das ein von Song zu Song fesselndes Stück Poesie, getragen von einer tollen Stimme, die man nicht vergisst. Das musste auch das Publikum so spüren. Frenetischer, nicht enden wollender Beifall  war der Lohn des Publikums an die Künstler. Drei Zugaben das Gegengeschenk. Die letzte das Abendlied "Der Mond ist aufgegangen", für das Cristin Claas um beifallloses Schweigen bat. Das Publikum hielt durch, bis sich die Künstler von der Bühne geschlichen hatten. Dann brandete erneuter Beifall in die Nacht, als Abschluss eines sehr erfolgreichen Festivalauftaktes.

Manfred Hainich

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